Motorest Moravská Třebová

Aus historischer Veröffentlichung:
Neue Raststätte an der Reichsautobahn
Das erste Rasthaus im Sudetenland in Mährisch-Trübau fertiggestellt
(Mährisch-Trübau, 1. April 1939 – Von unserem nach Mährisch-Trübau entsandten Schriftleiter) An den großen Verkehrsstraßen, die die Handelszentren und Städte verbanden, gab es immer schon Raststätten, die dem Reisenden die Möglichkeit zur Ausspannung boten. Wenn diese Gaststätten viel von ihrer Bedeutung mit dem Aufkommen der Eisenbahn verloren hatten, so erweist sich heute mit dem Ausbau der Autobahnlinien die Neuerrichtung von Rasthäusern um so notwendiger, als die Autobahn zum Teil in weitem Bogen um die Städte herumführt und durch Landstrecken zieht, die wenig Unterkunft und Erfrischungs-Möglichkeiten bieten. Im Gegensatz zu den früheren Ausspannungen, bei denen dem Pferdestall eine Hauptbedeutung zukam, müssen diese Raststätten der Autobahnlinien mit Tankstellen und Garagen ausgestattet sein. Sie haben die Aufgabe, dem Reisenden bei kurzem Zwischenaufenthalt Ruhemöglichkeiten zu bieten, Erfrischungen einzunehmen oder zu übernachten. Solche Raststätten werden mit der Zeit deshalb vor allem an den Schnittpunkten entstehen müssen, die weitab vom bewohnten Gebiet liegen und dem Nachtfahrer, der technische Schwierigkeiten am Auto zu überwinden hat, Unterkunft bieten sollen oder ihm vor Unwetter Schutz gewähren.

Vorausschauend wurde so in Mährisch-Trübau das erste Rasthaus der Reichsautobahn im Sudetenland ausgebaut und bereits seiner Bestimmung übergeben, vor dem Bau der Autobahnstraße überhaupt. Der Anbau des Franziskaner-Klosters, in dem sich heute das Reichsautobahn-Rasthaus Mährisch-Trübau befindet, wurde bereits in den Jahren 1745 bis 1746 errichtet. Im Laufe dieser beinahe zwei Jahrhunderte war ihm eine wechselvolle Geschichte beschieden. Er diente als Militärmagazin, Städtische Salzlagerstelle, als Turnhalle, als Proviantlager, als Theatersaal und zum Schluß als Lager der NSV. Es ist nicht uninteressant, daß dieser Anbau als Rasthaus bestimmt war und nach fast zweihundert Jahren allerdings in einem anderen Sinn und Geist einer gleichen Zweckbestimmung zugeführt wird. In kürzester Zeit, man kann schon sagen in einer Rekordzeit, ist dieser Umbau fertiggestellt worden. Aus düsteren Lagerräumen sind Helle freundliche Säle und Zimmer geworden.




Der Speisesaal bietet 100 Personen Platz. Die Bierstube, die durch trauten Kerzenschein erhellt wird, faßt 30 Personen. Zwei Konferenzzimmer, zweckmäßig ausgestattet mit je zehn Plätzen, 13 saubere einbettige und vier zweibettige Gastzimmer, ein netter Frühstücksraum, Personal- und Büroräume, wie die erforderlichen Wirtschaftsanlagen sind vorhanden Wer hier übernachtet, findet die notwendige Erholung und Muße, um dringende Arbeiten zu erledigen. Es bedarf keiner Erwähnung, daß auch dieses Autobahn-Rasthaus mit allen technischen Neuerungen versehen ist. Jedes Zimmer ist mit Telefon, Radio und Rufanlage ausgestattet. Zentralheizungsanlagen erlauben es dem Gast, sich selbst die Zimmertemperatur zu bestimmen. Warmwasseranlagen, Bade- und Brausegelegenheit sind für heutige Rasthäuser eine Selbstverständlichkeit.


Die Umgestaltung eines alten Franziskaner- Klosters in ein modernes Rasthaus stellte an die Architekten hohe Anforderungen. Sie haben ihre Aufgabe hervorragend gelöst. Denn sie haben es verstanden, sich in den vorhandenen barocken Bau einzufühlen und doch der modernen Zweckbestimmung entsprechend alle Einrichtungen zu treffen, ohne den Grundcharakter des Gewölbebaues zu stören. Der Parkettboden wie die geschmackvolle Deckenbeleuchtung fügen sich den Räumen ein. Die Ausstattung ist geschmackvoll. Gute Öldrucke nach Gemälden von Friedrich, Hans Thoma und lebenden Künstlern beleben die Wände. Es ist besonders anzuerkennen, daß es gelungen ist, alle technischen Einrichtungen diesem Bau so einzufügen, daß sie jederzeit zur Verfügung stehen, ohne besonders in Erscheinung zu treten. Durch die große Einsatzbereitschaft von 130 Bauleuten und zahlreichen Handwerkern, die hervorragende Beispiele ihres Könnens gegeben haben, ist in erstaunlich kurzer Zeit von sechs Wochen in Mährisch-Trübau ein neues Rasthaus entstanden, das würdig neben die bereits bekannten Rasthaus-Anlagen der Reichsautobahn gestellt werden kann.
Text: Der oberschlesische Wanderer – Sonntag 2. April 1939 – 112. Jahrgang Nr. 92 Seite 28

Europäisches Autobahntreffen in Mährisch-Trübau (Moravská Třebová)
Strecke 138 bei Gewitsch (Jevičko) – Galerie
ceskedalnice.cz und autobahn.cz
Rodaborn – Deutschlands erste Autobahn-Raststätte
